Deutsche Kasus — Kompletter Guide mit 100 Beispielen

📅 Aktualisiert: April 2026 · ✍️ Fadi Alhalawani · 🕒 Lesezeit: ca. 18 Min.

Die deutschen Kasus sind der wichtigste Stolperstein für arabische Muttersprachler. Im Arabischen gibt es zwar auch Kasus (nominativ, akkusativ, genitiv), aber sie funktionieren ganz anders. In diesem Guide erkläre ich alle 4 deutschen Kasus mit Tabellen, 100 Beispielsätzen und konkreten Merkhilfen.

الخلاصة: الألمانيّة لها 4 حالات إعرابيّة: Nominativ (الفاعل), Akkusativ (المفعول به), Dativ (المفعول لأجله), Genitiv (المضاف إليه). معظم الأخطاء عند العرب تأتي من الخلط بين Akkusativ و Dativ. هذا الدليل يحلّ المشكلة نهائياً.

1. Die 4 Kasus — Übersicht

KasusFrageBeispielarabisch
NominativWer? Was?Der Mann liest.الفاعل
AkkusativWen? Was?Ich sehe den Mann.المفعول به
DativWem?Ich helfe dem Mann.المفعول لأجله
GenitivWessen?Das Auto des Mannes.المضاف إليه

2. Artikel-Tabelle für alle Kasus

KasusmaskulinfemininneutrumPlural
Nominativder/eindie/einedas/eindie/—
Akkusativden/einendie/einedas/eindie/—
Dativdem/einemder/einerdem/einemden/—
Genitivdes/einesder/einerdes/einesder/—

Tipp: Lerne nicht alle Tabellen auswendig — lerne die Muster: „den/dem" sind die wichtigsten Veränderungen für maskulin, „der" wird im Dativ zur „der" auch im femininen.

3. Nominativ — die einfachste Form (Beispiele 1–20)

Nominativ = wer/was macht etwas. Im Arabischen entspricht das ungefähr „الفاعل".

  1. Der Mann arbeitet in einer Fabrik.
  2. Die Frau kocht Reis mit Hähnchen.
  3. Das Kind spielt im Garten.
  4. Die Kinder gehen zur Schule.
  5. Mein Vater ist Lehrer.
  6. Meine Mutter liebt deutsche Schokolade.
  7. Mein Bruder lebt in Berlin.
  8. Diese Schule ist sehr groß.
  9. Der Lehrer erklärt die Grammatik.
  10. Das Buch liegt auf dem Tisch.
  11. Ein Mann ruft an.
  12. Eine Frau wartet draußen.
  13. Welcher Mann hat das gesagt?
  14. Welche Frau kommt heute?
  15. Der Kaffee ist kalt.
  16. Mein Auto ist alt.
  17. Sein Hund bellt laut.
  18. Unsere Familie wohnt in Köln.
  19. Ihre Tochter studiert Medizin.
  20. Eure Lehrerin ist nett.

4. Akkusativ — der direkte Empfänger (Beispiele 21–40)

Akkusativ = wen/was bekommt die Handlung direkt. Im Arabischen ähnlich „المفعول به".

  1. Ich sehe den Mann.
  2. Ich kaufe einen Kaffee.
  3. Sie liest das Buch.
  4. Er liebt seine Frau.
  5. Wir besuchen unsere Eltern.
  6. Das Kind isst einen Apfel.
  7. Ich brauche einen Stift.
  8. Sie haben einen Hund.
  9. Er möchte ein neues Auto.
  10. Ich verstehe den Lehrer.
  11. Magst du diesen Kuchen?
  12. Wir essen einen Salat.
  13. Ich lerne Deutsch.
  14. Sie spricht drei Sprachen.
  15. Wir haben keine Zeit.
  16. Er sucht die Adresse.
  17. Ich bestelle eine Pizza.
  18. Habt ihr den Film gesehen?
  19. Ich rufe meinen Bruder an.
  20. Sie öffnet die Tür.

Wichtig: Akkusativ-Verben sind: sehen, lesen, kaufen, bekommen, brauchen, haben, möchten, kennen, mögen, lieben, besuchen, suchen, finden.

5. Dativ — der Empfänger einer Handlung (Beispiele 41–60)

Dativ = wem geht etwas, oder wer profitiert? Im Arabischen ähnlich „المفعول لأجله".

  1. Ich helfe dem Mann.
  2. Sie schenkt der Frau Blumen.
  3. Wir danken dem Lehrer.
  4. Er folgt seinem Vater.
  5. Ich glaube dir.
  6. Sie schreibt mir eine E-Mail.
  7. Das gefällt uns nicht.
  8. Wir gratulieren dem Kollegen.
  9. Er antwortet dem Chef.
  10. Sie zeigt dem Kind das Buch.
  11. Ich gebe meiner Mutter ein Geschenk.
  12. Wir bringen den Kindern Süßigkeiten.
  13. Sie verzeiht ihrem Mann.
  14. Es schmeckt dem Kind.
  15. Ich vertraue meinem Freund.
  16. Er begegnet einem alten Bekannten.
  17. Wir wünschen Ihnen alles Gute.
  18. Ich höre der Musik zu.
  19. Sie steht dem Patienten bei.
  20. Das tut mir leid.

Wichtig: Dativ-Verben sind: helfen, danken, gratulieren, folgen, glauben, gefallen, schmecken, gehören, antworten, vertrauen, gehen (es geht mir gut).

6. Genitiv — Besitz und Zugehörigkeit (Beispiele 61–70)

Genitiv = wessen ist das? Im Arabischen entspricht das „المضاف إليه". Im modernen Deutsch wird Genitiv im Alltag oft durch „von + Dativ" ersetzt.

  1. Das Auto des Mannes.
  2. Das Haus der Familie.
  3. Der Vater des Kindes.
  4. Die Wohnung meines Bruders.
  5. Der Geruch der Blumen.
  6. Die Geschichte unserer Familie.
  7. Der Anfang des Films.
  8. Das Ende der Woche.
  9. Die Farbe seines Autos.
  10. Der Geburtstag meiner Mutter.

Alltagssprache: „Das Auto vom Mann" (statt „Das Auto des Mannes") — von + Dativ ist informeller und im B1 vollkommen okay.

7. Wechselpräpositionen — die kniffligen 9 (Beispiele 71–85)

Diese 9 Präpositionen nehmen Dativ bei Ort (wo?) und Akkusativ bei Richtung (wohin?):

an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen

Akkusativ (Wohin? Bewegung)

  1. Ich gehe in die Schule. (Wohin?)
  2. Stell die Tasche auf den Tisch.
  3. Er fährt an den See.
  4. Hängen Sie das Bild an die Wand!
  5. Wir gehen in den Park.
  6. Sie stellt die Schuhe neben das Bett.
  7. Leg das Buch auf den Schreibtisch!
  8. Er fährt hinter die Garage.

Dativ (Wo? Position)

  1. Ich bin in der Schule. (Wo?)
  2. Die Tasche liegt auf dem Tisch.
  3. Er wohnt am (an + dem) See.
  4. Das Bild hängt an der Wand.
  5. Wir sind im (in + dem) Park.
  6. Die Schuhe stehen neben dem Bett.
  7. Das Buch liegt auf dem Schreibtisch.

8. Reine Akkusativ-Präpositionen — FUDGO (Beispiele 86–92)

FUDGO = Für, Um, Durch, Gegen, Ohne — IMMER mit Akkusativ.

  1. Ich kaufe das Geschenk für meine Mutter.
  2. Wir laufen um den See.
  3. Sie fährt durch die Stadt.
  4. Er ist gegen die Regierung.
  5. Ich gehe nicht ohne meinen Bruder.
  6. Das Buch ist für dich.
  7. Sie spielen gegen unsere Mannschaft.

9. Reine Dativ-Präpositionen (Beispiele 93–100)

AUS, BEI, MIT, NACH, SEIT, VON, ZU, GEGENÜBER — IMMER mit Dativ.

  1. Ich komme aus der Türkei.
  2. Sie wohnt bei ihrer Mutter.
  3. Wir fahren mit dem Auto.
  4. Nach der Arbeit gehe ich nach Hause.
  5. Ich lerne Deutsch seit einem Jahr.
  6. Das Geschenk ist von meinem Vater.
  7. Wir gehen zum (zu + dem) Arzt.
  8. Das Hotel liegt gegenüber dem Bahnhof.

10. Drei Schüler-Geschichten — Wie sie Kasus gemeistert haben

Khalid — von „Dativ-Phobie" zu „lockerem Gebrauch"

Khalid (31) konnte mit Akkusativ umgehen, aber bei Dativ kam Panik. Wir haben einen Trick gemacht: 10 Sätze pro Tag mit „helfen, danken, gratulieren". Nach 30 Tagen waren das 300 Sätze. Heute redet er fließend mit Dativ — ohne nachzudenken.

Rana — Wechselpräpositionen verstanden in 1 Woche

Rana (24) verwechselte „in die Schule" mit „in der Schule". Ich habe ihr eine Eselsbrücke gegeben: „Wenn du in Bewegung bist → Akkusativ. Wenn du stehst → Dativ." Sie hat das immer wieder laut wiederholt: „Ich gehe (Bewegung!) in die Schule. Ich bin (stehe!) in der Schule." Nach 1 Woche — fehlerfrei.

Tarek — Genitiv ignoriert (und das war okay)

Tarek (29) wollte unbedingt Genitiv lernen, aber wir haben es weggelassen. Im Alltag und in B1 reicht „von + Dativ" zu 95 %. Statt „Das Auto des Vaters" sagt er „Das Auto vom Vater". Das spart Zeit und ist sprachlich korrekt für B1.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Kasus gibt es im Deutschen?

Vier: Nominativ (wer/was?), Akkusativ (wen/was?), Dativ (wem?) und Genitiv (wessen?). Genitiv wird im Alltag selten benutzt.

Welche Präpositionen verlangen Akkusativ?

Für, ohne, gegen, um, durch — die meisten merken sich diese 5 mit dem Merkspruch FUDGO.

Welche Präpositionen verlangen Dativ?

Aus, bei, mit, nach, seit, von, zu, gegenüber — der Merkspruch ist „AUS-BEI-MIT-NACH-SEIT-VON-ZU".

Was sind Wechselpräpositionen?

An, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen — sie nehmen Dativ bei Ort (wo?) und Akkusativ bei Richtung (wohin?).

Soll ich Genitiv lernen für B1?

Nicht zwingend. Du kannst Genitiv mit „von + Dativ" ersetzen. Für B1 reichen Nominativ, Akkusativ und Dativ.

Wie merke ich mir, ob ein Verb Akkusativ oder Dativ braucht?

Lerne die wichtigsten 20 Dativ-Verben auswendig (helfen, danken, gratulieren, gefallen, gehören, glauben, antworten, schmecken usw.). Alle anderen brauchen meistens Akkusativ.